Wusstest du schon, dass man gar nicht lange fliegen muss, um eine exotische Unterwasserwelt zu sehen? Teneriffa gehört zu den schönsten Tauchgebieten in Europa. Zum Beispiel kann man rund um die Kanarischen Inseln sechs von den acht existierenden Arten der Meeresschildkröten antreffen. Es kommt sogar noch besser: hier kann man mit ihnen tauchen!

 

Meeresschildkröte vor den Küsten Teneriffas

Eine Meeresschildkröte vor den Küsten Teneriffas

Es ist jetzt gut ein Jahr her, dass ich meinen ersten Tauchausflug auf Teneriffa geplant habe. Zwar hatte ich zuvor schon einmal auf Malta die Sauerstoffflaschen angeschnallt, aber ich war dennoch aufgeregt. Denn das war nicht irgendein geplanter Tauchausflug. Nein, wir sollten Schildkröten sehen.

 

Schon lange hatte ich davon gehört, dass es zwei Orte im Süden Teneriffas gibt, an denen man regelmäßig Schildkröten antreffen kann. Normalerweise ziehen die gepanzerten Reptilien ihre Bahnen durch das offene Meer, wo sie sich auch fortpflanzen. Aber aufgrund des konstanten Nahrungsangebotes in kleinen Fischerhäfen, sind einige wenige Exemplare dort regelmäßig anzutreffen. Das betrifft auf Teneriffa den Puerto de Alcalá und den Puertito de Armeñime (auch Puertito de Adeje genannt). Insgesamt sechs der acht bekannten Arten von Meeresschildkröten sind auf den Kanaren vorzufinden, wobei die unechte Karettschildkröte (Caretta caretta) und die Suppenschildkröte (Chelonia mydas) am häufigsten vertreten sind.

 

Schildkröte mit Sender

Schildkröte mit Sender

Die Meeresschildkröten bilden einen wichtigen Teil des hiesigen Ökosystems und werden von zahlreichen internationalen Abkommen als Art geschützt. Demnach ist es auf den Kanaren  strikt verboten, sie in ihrem Lebensraum zu stören oder gar zu fangen. Leider wird das an belebten Tagen in den beiden Häfen oftmals gern vergessen. Während Tauchgruppen zumeist noch den gebührenden Abstand halten, jagen Touristengruppen und Einheimische mit Schorchelausrüstung gerade in den warmen Sommermonaten gern in ihrer Aufregung den Schildkröten hinterher. Diese müssen dann stark ausweichen, um ein ruhiges Plätzchen zum Atmen an der Wasseroberfläche zu finden.

 

Sorgen muss man sich aber dennoch nicht machen, denn der Großteil der Einheimischen weiß um die Bedeutung und Schönheit der Meeresschildkröten. Erst im letzten Jahr versahen Meeresbiologen eine der Schildkröten in Alcalá mit einem Sender, um ihre Bewegungen besser nachvollziehen und erforschen zu können. In Armeñime arbeitet man bereits seit 2005 in einem teuer finanzierten Projekt der Regierung daran, das Gebiet in Einklang mit der Natur zu erneuern und zu schützen.

 

Eines der größeren Exemplare der Meeresschildkröten, Teneriffa

Eines der größeren Exemplare der Meeresschildkröten

Nun aber zurück zu den eigentlichen Stars, den Schildkröten! Wir hatten beim ersten Tauchgang kein Glück. Die Woche vorab hatte ein heftiges Unwetter stattgefunden und die Schildkröten ließen sich nicht blicken. Ich war dennoch glücklich, habe ich doch für mich an dem Tag die Entscheidung getroffen, definitiv einen Tauchkurs zum Open Water Diver machen zu wollen. Ich liebe das Meer einfach viel zu sehr und war schon immer lieber im Wasser als an Land. Mein Sternzeichen Krebs ist bei mir Motto.

 

Beim zweiten Tauchgang sah ich sie. Hand in Hand mit dem Tauchlehrer und meiner liebsten Mama (Weihnachtsgeschenke fallen auf Teneriffa anders aus) sprangen wir im Puerto de Alcalá ins kühle Nass und begaben uns in etwa 6-7m Tiefe. Das Wasser war sehr klar an diesem Tag. Die Sonnenstrahlen brachen sich an der Wasseroberfläche und erhellten den Meeresboden. Plötzlich ein Schatten in der Ferne, er schien zu schweben. Er kam auf uns zu und man konnte deutlich den runden Körper in der Mitte und die beiden Flossen an den Seiten erkennen. Sie flog.

 

Diese Schildkröte war überhaupt nicht kamerascheu

Diese Schildkröte war überhaupt nicht kamerascheu

Bei vielen weiteren Tauchgängen lernte ich, dass Meereslebewesen sehr erfreut auf Unterwasserkameras reagieren. Das zumeist silberne Gehäuse verwechseln sie mit Fischen und nähern sich daher neugierig an. So geschah es auch bei unserer ersten Begegnung mit den Schildkröten. Sie schwamm direkt zu uns und drehte einige Kreise um uns drei. Ich berührte vorsichtig und ganz leicht ihren Panzer, der sich glatt anfühlte. Als sie merkte, dass wir keinen Fisch für sie haben, flog sie weiter und verschwand mit eleganten Bewegungen im tiefen Blau. Ich war verliebt.

 

Inzwischen, ein Jahr und viele Tauchgänge später, habe ich sogar meinen Open Water Advanced Kurs abgeschlossen und bin dem Tauchsport und der Schönheit der Unterwasserwelt hoffnungslos verfallen. Die Schildkröten habe ich währenddessen mehrmals besucht und ich bin immer wieder von Neuem aufgeregt, sie zu sehen. Früher waren sie für mich ein Symbol für eine weit entfernte, exotische Welt, zu der man lange reisen müsse. Dabei kann man sie bereits in Europa bestaunen und in ihrem Lebensraum beobachten. Quasi direkt vor der Haustür!

 

Nur eine Frage stelle ich mir seit Längerem, vielleicht kannst du mir weiterhelfen: Wie schlafen Meeresschildkröten eigentlich?

 

6