Es ist vergangenen Dezember wieder einmal passiert. Der sonst recht routinierte Alltag wurde von allgemeiner Torschlusspanik unterbrochen. Wer denkt, dass die Menschen in Deutschland fleißige Wirtschaftsmotoren beim Kauf von Weihnachtsgeschenken sind, der hat die Canarios noch nicht erlebt! Einkaufszentren werden schon Wochen vorab gestürmt, überteuerte Geschenke gekauft, komplette Monatsgehälter ausgegeben. Denn eines kann man diesem lieben Inselvolk nicht nachsagen: Geiz.

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Obwohl die Mehrheit der Bevölkerung hier mit wesentlich niedrigeren Gehältern auskommen muss (und nein, die Lebenshaltungskosten sind gar nicht soooo billig wie manch einer denkt), gibt man auf den Kanaren furchtbar gern. Und viel. Und vielen. Denn Familien sind hier häufig etwas größer. Oft hört man von Freunden, dass sie 6 Geschwister haben oder wie meine Arbeitskollegin mir erst zu Silvester über ihre Familie berichtete, ganze 44 Cousins! Da gerät der Geschenkekauf schnell zur Odysee.

Hinzu kommt, dass für die Spanier das eigentliche Überreichen der Geschenke am Tag der Heiligen Drei Könige, also am 06. Januar stattfindet. Dies zelebriert man mit aufwendigen Umzügen in allen größeren Ortschaften, bei denen die Könige empfangen werden und die Kleinen große Augen machen. Eine herrliche Tradition, die man einmal gesehen haben muss – Konfetti und Bonbons fliegen, Kostüme vom Karneval der vergangenen Jahre werden wiederverwendet und nahe gelegene Parkplätze steigen zum Luxussymbol auf.

Die Feiertage und Festessengelage ziehen sich hier also um einiges länger als in nördlichen Gefilden. Über den 24. und 25. Dezember, Silvester und den Dreikönigstag nimmt man sich daher lieber nichts vor und genießt stattdessen die herzliche Atmosphäre, sei es auch manchmal etwas stressig.

 Ich für meinen Teil hatte in der Silvesternacht ein perfektes Schlüsselerlebnis. Wir feierten in Los Cristianos den Jahreswechsel mit der berühmten Tradition der 12 uvas” (12 Weintrauben). Dabei muss man mit jedem Glockenschlag um Mitternacht eine Weintraube essen, was wiederum Glück für jeden einzelnen Monat des neuen Jahres bringen soll. Lachanfälle aufgrund voller Hamsterbäckchen inklusive.

Das kategorische Salsakonzert setzte danach fort und wir amüsierten uns über einen etwas exzentrischeren jungen Tänzer neben uns, von dem böse Zungen behaupteten, er suche den Rest seiner Boyband (sowohl optisch als auch vom Tanzstil). Meine Arbeitskollegin gesellte sich kurz darauf zu uns und ich wies sie auf eben jenen passionierten Tänzer hin. Sie lachte erst herzhaft mit uns. Dann schaute sie genauer. Und schrie: “Oh nein, das ist ja einer meiner 44 Cousins!” Der Spaß war groß.

Als sie dann aber 5 Minuten später mit Freigetränk zu uns stieß und erzählte, das sie durch Zufall einen weiteren ihrer Cousins getroffen hat, der an der Bar arbeitete, da stand mein Vorsatz fürs Neue Jahr fest: Ich müsse endlich meinen Blog auf den Weg bringen. Es gibt einfach zu viel zu erzählen.

In dem Sinne: ¡Felices Fiestas! und ich hoffe, mein Blog wird euch gefallen!