Ich hatte schon immer eine leichte Vorliebe für Kampfsportarten. Zu meinen Deutschlandzeiten ging ich eine Weile lang hobbymäßig boxen und oft habe ich genau das hier auf der Insel vermisst. Irgendwo muss man ja seinen Frust über die schlimme Fahrweise der Canarios herauslassen.

 

Mit den Tickets stieg die Vorfreude

Mit den Tickets stieg die Vorfreude

Entsprechend begeistert war ich, als eine liebe Freundin mich fragte, ob ich nicht Lust hätte, MMA (Mixed Martial Arts) zu probieren. Verwunderung machte sich bei mir breit. “Das gibts hier auf Teneriffa?” Fast schon unwirklich erschien mit der Gedanke, auf dieser Insel eine solch “exotische” Sportart zu finden. Sucht man hier doch in der Regel schon verzweifelt nach ordentlichen Yogakursen.

Die Idee ließ mich aber nicht los. Meine Freundin ist selbst Trainerin und versprach, ich würde so die kompletteste aller Kampfsportarten lernen. Sie sagte: “Denise, es gibt für eine Frau nichts gefährlicheres, als auf dem Rücken zu liegen und einen Kerl über dir stehen zu haben. Da lernst du, wie du dich verteidigst.” Und hey – als Bonus arbeitet man nebenbei an der Bikinifigur, der Sommer kommt ja schließlich bald. Also los ging es.

Schon der Anblick der Sanitäter flößte Respekt ein

Schon der Anblick der Sanitäter flößte Respekt ein

Es kam dann wie immer eines zum anderen. Man stellt fest, dass die Kampfsportszene auf den Kanaren um einiges größer ist als gedacht und das es hier in der Tat einige, sehr gut ausgestattete Trainingszentren gibt. Schnell hörte ich auch vom großen bevorstehenden Wettbewerb in K1/Muay Thai in Güimar. Das konnte ich mir ja nicht entgehen lassen. Also Tickets gekauft, warme Sachen angezogen und hinauf ging es mit der ganzen Trainingsgruppe in die Veranstaltungshalle Terrero Municipal Tasagaya.

Der Beginn war für 20:30 Uhr angesetzt. Das bedeutet übersetzt in die hiesige Zeit, dass sich gegen 21:00 Uhr am Ring die ersten Kämpfer einfanden. Eine halb gefüllte Halle voller Canarios mit Einheitshaarschnitt (Frisurentrends setzen sich hier stark durch), gelangweilte Polizisten und Sicherheitskräfte sowie drei einsame Rettungssanitäter mit Trage komplettierten das Bild. Die Stimmung war gespannt, handelte es sich doch um lokale Größen und ein Großteil des Publikums setzte auf ihre jeweiligen Kämpfer. Der Rest wollte einfach nur ein spektakuläres K.o. sehen.

Der Abend versprach interessant zu werden. Große Kämpfe wurden vorhergesagt und dabei typische Klischees befriedigt. Nach den ersten Laienkämpfen, die eher dem Aufwärmen dienten, standen folgende Spitzenduelle an:

So harmlos, wie es hier aussieht, waren die Kämpfe nicht

So harmlos, wie es hier aussieht, waren die Kämpfe nicht

  • Aythami (Team Eam Toro) gegen Aday (Team Moi Rui) -> Wortwörtlich groß gegen klein. Ich habe selten so lange und so dünne Beine bei einem Kämpfer gesehen wie jene, die aus Aythamis windelartiger Sporthose herausragten. Sie halfen ihm leider nicht, Aday beförderte ihn mehrfach auf den Boden und gewann.
  • Marcos Figueras (Figueras Team) gegen Maykel (Team Moi Rui) -> Alt gegen neu. Marcos blickt nicht nur auf viele Jahre und viele Erfolge im Kampfsport zurück, er ist zudem noch ein wandelndes Tattoo. Er war klarer Favorit. Sehr zu meinem Bedauern, hatte ich doch Maykel optisch zu meinem Liebling erkoren (ja, so sind wir Frauen). Und zur Überraschung aller gewann Maykel den Kampf, nachdem er von Beginn an klar dominierte und fast für das einzige Knockout des Abends gesorgt hätte. Das Publikum schrie auf, als es Marcos nach einem Kinnhaken zurückwanken sah.
  • Nauzet (Team Shoothon) gegen Alex Carrasco (Team Thai Noi) -> DAS Duell des Abends. Kanarischer Neuprofi gegen spanischen Champ und Weltmeister. Die beiden gönnten sich nichts und in den letzten beiden Runden konnte das Publikum sich kaum halten. Unerwarteter hätte es nicht ausgehen können: mit Nauzet gewann der Neuprofi. Güimar stand Kopf.
Der Gewinner des Abends

Der Gewinner des Abends


Nun muss man wissen, ein Wettkampf auf den Kanaren ist nicht einfach nur ein Wettkampf unter den Sportlern. Nein, auf Teneriffa machen die Zuschauer auf ihre ganz eigene Art mit. Zunächst in der Disziplin Anfeuern: Wer schreit lauter, wer gleicht in seiner Artikulation am ehesten den alten Guanchen-Kriegern und wer fliegt als erstes auf die Nase weil er es beim Jubeln übertrieben hat.

Da die Sporthalle aus einfachen Betonrängen bestand und draußen für Teneriffa eisige 13 Grad herrschten, gab es an diesem Abend noch eine weitere Kampf-Kategorie für das Publikum: Wer friert zuerst mit dem Hintern fest.

Ich habe eindeutig gewonnen.

 

Ein schöner Abend in bester Gesellschaft

Ein schöner Abend in bester Gesellschaft