La Palma – Die bescheidene Schönheit unter den Kanarischen Inseln

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Kein Canario wird öffentlich eine andere als seine eigene Heimatinsel als “schöner” bezeichnen. Das gehört hier zur Pflicht und zum Stolz. Aber ganz heimlich gefragt geben viele  hinter vorgehaltener Hand zu, das La Palma wunderschön sei. Und das vollkommen zu Recht!

Nachdem ich dort eines der schönsten Weihnachtsfeste meines Lebens verbracht habe, kann ich das auch nur bestätigen. La Palma drängt sich nicht so sehr durch bombastische Sehenswürdigkeiten auf. Vielmehr umgarnt dich die Insel mit ihrer atemberaubenden Natur und ihrer Stille. Wir hatten uns bei unserem Aufenthalt sozusagen mitten hinein gewagt, indem wir eine Finca direkt auf einer Bananenplantage im “Nichts” gemietet hatten. Keine Nachbarn, kein Verkehr, nur Bananen, Geckos, Hühner, leider auch ein paar Kakerlaken und wir. Jetzt erzähle ich dir aber erst einmal etwas über La Palma.

Allgemeines:

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La Palma ist geologisch gesehen die jüngste und geografisch gesehen die nordwestlichste der Kanarischen Inseln. Sie ha
t einen reichhaltigen Waldbestand, der sogar noch prähistorisch ist und ca. 40% der etwa 708 km² großen Fläche einnimmt. Man gibt ihr dadurch auch den Beinamen “La isla verde” – die grüne Insel. Wie auch ihre Nachbarn ist La Palma durch vulkanische Aktivitäten entstanden, deren Wirkung das Erscheinungsbild der Insel entscheidend geprägt haben. Seit ihrer Eroberung im Jahr 1492 wurden 7 Vulkanausbrüche verzeichnet und auch heute noch beschäftigen sich Geologen intensiv mit den hier stattfindenden Prozessen. Weitere Ausbrüche hält man in naher Zukunft für unwahrscheinlich, aber kleinere Erdbeben sind dagegen ein reelles Risiko.

La Palma allgemein

Der Tourismus  auf La Palma entspricht nicht den üblichen Massen, sondern ist eher ländlich und alternativ ausgerichtet. Die im Jahr 2002 von der UNESCO als Biosphärenreservat erklärte Insel bietet ihren Besuchern allein mehr als 1.000 km Wanderwege. Ein weiteres spezielles Merkmal ist der sehr dunkle Nachthimmel, den man mit dem “Ley del cielo” – dem Himmelgesetz – vor dem zu starken Eingriff der Menschheit schützt. Er bietet Astonomen perfekte Möglichkeiten, zu forschen und zu beobachten. Hauptort dafür ist das bekannte Roque-de-Muchachos-Observatorium. Dank ihren Bemühungen, den Sternenhimmel nicht durch künstliches Licht zu verschmutztem, erhielt La Palma 2012 von der UNESCO eine weitere Auszeichnung zum ersten Starlight Reserveder Welt.

Von Teneriffa aus erreichst du La Palma entweder in einer halbe Stunde Flug vom Nordflughafen aus oder mit derFähre. Diese startet von Los Cristianos aus und fährt innerhalb von knapp 3 Stunden mit kurzem Zwischenstopp in La Gomera nach S.C. La Palma.

Santa Cruz de La Palma – Auf den Spuren von Kolumbus

Santa Cruz de La Palma

Die Hauptstadt der Insel, Santa Cruz de La Palma, schmiegt sich mit ihrem riesigen Hafen an die Ostküste. Mit etwas mehr als 16.000 Einwohnern ist sie verhältnismäßig klein, was ihrem Ambiente allerdings nicht schadet. Bei der Fahrt über dieAvenida Marítima, die an der Uferseite entlang einmal quer durch die Stadt führt, kannst du die vielen, meist historischen Häuschen und Gebäude im kanarischen und kolonialen Stil bewundern, die sich auf die Berghänge verteilen.

Schon kurz nach ihrer offiziellen Gründung im Jahr 1943 stieg La Palma zum bedeutenden Handelszentrum auf. Viele der Schiffe, die zwischen Amerika und Europa kreuzten, machten hier Halt. Zusätzlich florierte der Handel mit Zucker und Wein. Bei all dem Wohlstand waren natürlich die Piraten nicht weit, sodass die Stadt auf eine bewegte Geschichte zurückblickt.

Ein Symbol für diese Zeit ist der originalgetreue Nachbau der Santa Maria, dem Flaggschiff von Christoph Kolumbus. Diese ist auf der Plaza de la Alameda zu finden und dient als Schifffahrtsmuseum. Danach kannst du dich in eines der lieblichen Cafés setzen und das geschäftige Treiben der Stadtbewohner beobachten. Auch die Kirchen der Stadt, unter anderem die Iglesia de San Francisco und die Iglesia Matriz de El Salvador, sind mit ihrer wunderschönen Architektur einen Besuch wert.

Fuencaliente de la Palma – Umzingelt von Bananenstauden und Lava

Fuencaliente

Dies ist eine der bekanntesten und vielfältigsten Gemeinden La Palmas. Von Vulkanen über beschauliche Dörfer, zu schier endlosen Bananenplantagen bis hin zu Salinen für die Meersalzgewinnung – hier gibt es jede Menge zu entdecken. In den Plantagen am Fuße des Vulkans Teneguía lag auch die Finca, auf der wir wohnten. Diese Ecke der Insel ist so ruhig und paradiesisch, das wir am ersten Morgen im Bugs Bunny-Schlafanzug durch die Dutzenden Reihen von Bananenbäumen bis zur Küste gelaufen sind (kein Witz, davon existieren Fotos).

Nachteilig ist das allerdings, wenn man dann schon unter Verfolgungswahn leidet, wenn einem nachts ein zweites Auto in dieselbe Richtung folgt. Das ging soweit, dass wir rechts rangefahren sind, um die wahrscheinlich absolut harmlosen Touristen vorbeizulassen. Sowas lindert man nur mit Konfrontationstherapie. Unsere Variante war eine Nachtwanderung vorbei an den Mauern der Finca, mit ihren knarrenden Metalltüren und dem unheimlichen Küstenwind. Allein ein Albtraum, in der Gruppe ein riesen Spaß.

Die einzige Straße vorbei an all den Plantagen führt bis zum Südkap, wo du an der Punta de Fuencaliente zwei possierliche Leuchttürme und die bekannten Salinen von Fuencaliente findest. Das glitzernde Salz in den Becken bietet gerade im hellen Morgenlicht einen unglaublich schönen Anblick.

Teneguía Vulkan

Teneguía

Über Fuencaliente thront, quasi als südlichste Spitze der Vulkankette, der Teneguía. Durch seine kahle, schwarze Färbung wirkt er fast schon bedrohlich. Ist er auch, aufseineArt und Weise, denn hier fand 1971 der jüngste Vulkanausbruch in Spanien statt. Die 439m hohe Kuppe und die sie umgebende dunkle Mondlandschaft ist ein beliebtes Wanderziel. Allerdings sollte man für den Aufstieg auf den Teneguía gut ausgerüstet und trittsicher sein, der Weg ist durch den Schotter mitunter recht rutschig. Wir hatten uns an diesem Tag gegen das Wandern entschieden und genossen stattdessen einen Spaziergang durch die umgebenden Steinfelder. An manchen Stellen meint man, man könneSchwefel riechen und die Wärme der Erde förmlich spüren. Kann aber auch eine Art von “Placebo-Effekt” gewesen sein.

San Andrés y Sauces – Traumhafte Dorfidylle

Los Sauces

Einer meiner persönlichen Lieblingsplätze auf La Palma ist das kleine Dörfchen San Andrés im Nordosten der Insel.Kaum das Auto abgestellt, begrüßte uns dort schon der Hund von der Finca nebenan bei seinem täglichen Spaziergang – hier gehen die Hunde noch alleine Gassi!

Vorbei an riesigen Aloe Vera Blüten, gepflegten Vorgärten, durch kleine Gassen mit Pflasterstein, gelangt man schlielich zur Plaza des Ortes, wo die romantische Kirche San Andrés Apóstol aus dem 16. Jahrhundert Besucher in ihren Bann zieht. Der strahlend weiße Kalk im Kontrast zum strahlenden Himmerlblau, das saftige Grün des kleinen gepflegten Gärtchens und das Plätschern des Springbrunnens schaffen eine einzigartige Atmosphäre. Lass dich hier unbedingt eine Weile nieder und genieße die Stimmung.

Bei der Weiterfahrt kannst du direkt nebenan die höchste Einbogenbrücke Europas, die Puente de los Tilosbestaunen. Hier wurden stattliche 5,4 Millionen Euro auf 357m Länge investiert. Das imposante Bauwerk wird dir schnell in Erinnerung rufen, wie nahe die Moderne und die ursprüngliche Natur beieinander liegen können.

Charco Azúl – Mindestens ein Kopfsprung muss sein

Charco Azul

Wenn du schon einmal in dieser Gegend bist, ist ein Besuch des Charco Azul ein Muss! Das große Naturschwimmbecken und der kleinere Pool schmiegen sich direkt an die raue, schwarze Felsküste und wurden um Liegeflächen, Bars und Sanitäreinrichtungen ergänzt.

Nach einem Steinschlag im Jahr 2009, bei dem die Anlage beschädigt wurde, hat man die Installationen rund um den Charco Azul liebevoll wiederaufgebaut und Steinschlagnetze angebracht.

Das Meerwasser wird auf natürliche Weise regelmäßig erneuert, je nach Lichteinfall und Wetter erstrahlt es in unterschiedlichen Grün- und Blautönen. Folgst du den Steinwegen, so findest du direkt nebenan weitere kleine Naturschwimmbecken, die ebenfalls zum Komplex gehören. Für den kleinen Hunger gibt es ein nahegelegenes Restaurant, dass allerdings sein Preispotential dank der Alleinstellung grandios ausschöpft.

Mirador del Time – Wo vor lauter Staunen die Zeit wie im Flug vergeht

Mirador El Time

Der Mirador del Time war der schönste Aussichtspunkt, den wir auf unserer Rundreise besucht hatten. Erstens ist das Panorama schlichtweg bombastisch und zweitens kann man einfach so viele Wortwitze bringen. Da wir aber nicht so viel Zeit (hehe) vergeuden wollen, hier die Fakten: Vom ca. 500m hohen Mirador aus hast du bei gutem Wetter einen fantastischen Blick über die Westküste von La Palma, von Los llanos de Ariadne bis zum Vulkangürtel der Cumbres im Süden. Man erhält bei all dem Grün, dass einem terrassenförmig ins Auge springt, eine Ahnung davon, wie stark der Anbau von Bananen das Landschaftsbild der Insel prägt. Falls du diese Aussicht etwas länger genießen möchtest, so nimm dir die Zeit (der musste sein) und besuche das dazugehörige Café.

Puerto de Naos – Strandfeeling im schwarzen Vulkansand

Puerto Naos

Weiter geht es in das Herz von Los llanos de Ariadne an der Westküste. Einer der Hauptmagneten für den hiesigen Tourismus ist der Strand Playa de Puerto Naos. Feinster, schwarzer Vulkansand, eine gepflegte Promenade zum Flanieren, saftige grüne Palmen und das wilde Meer verleiten hier die Besucher zu ausgedehnten Strandtagen. Die Gegend ist eine der sonnenreichsten der Insel und der mit der blauen Flagge ausgezeichnete Strand verfügt über Installationen wie Duschen, Toiletten und Rettungsschwimmer. In der Umgebung locken zahlreiche Bars, Cafés und Restaurants mit leckeren Angeboten und auch die üblichen Souvenirshops sind vertreten. Nach einer langen, anstrengenden Inselrundfahrt ist es genau der richtige Ort, um dir eine entspannende Auszeit zu gönnen. Sei allerdings vorsichtig, der schwarze Sand wird an einem sonnigen Tag noch um einiges heißer, als weißer.

Acropark – In den Seilen hängen mal anders

Acropark

Bei der Fahrt durch den wunderschönen Wald des Nationalparkes Cumbre Vieja fielen uns plötzlich seltsame Gebilde zwischen den Bäumen auf. Tempo gedrosselt, Augen fokussiert und schon hatten wir des Rätsels Lösung: einKletterpark mitten im Nirgendwo. Natürlich mussten wir anhalten und mitmachen! Der Acropark befindet sich auf etwa 1450m Höhe und bietet dir die Möglichkeit, über Seile und Karabiner gesichert über einen Parcours aus Seilen und Bretterstiegen zwischen den Bäumen zu klettern. Man bietet drei verschiedene Schwierigkeiten an – Kid, Junior und Senior – an der höchsten Stelle steigt man dabei bis auf 7m. Wir beließen es an dem Tag beim Junior und hatten trotzdem jede Menge Spaß. Allein bei den riesigen Helmen war das Gelächter schon groß. Als Ausgleich für das lange Sitzen im Auto war die Bewegung an der frischen, reinen Waldluft ideal. Aber keine Sorge, Sicherheit geht natürlich vor – sowohl für dich, als auch den Wald.

Cumbre Vieja – Der Nationalpark der Vulkane

Cumbre Vieja

Wie schon anfangs erwähnt, zieht sich über die südliche Spitze der Insel eine Kette mehrerer Vulkane, die sogenannte Cumbre Vieja. Diese ist stolze 14 Kilometer lang und macht einen Großteil des gleichnamigen Nationalparkes aus. Die Vulkankette spaltet die Insel optisch in zwei Hälften und wird oftmals auch als Wirbelsäule La Palmas bezeichnet.

Du hast als Besucher zwei Möglichkeiten, diese Gegend zu erkunden – mit dem Auto oder zu Fuß. Beides ist empfehlenswert und bei beidem wirst du über die unglaubliche Schönheit der Natur staunen. Nimmst du das Auto, wirst du Zeuge, wie unterschiedlichste Landschaftsformen am Fenster vorbeiziehen – von pechschwarzen Aschefeldern über rötliche Steinmassive bishin zu giftgrünen Wäldern. Beim Wandern erlebst du diese Vielfalt noch intensiver und kommst zudem in den Genuss von Aussichtspunkten nahe der Krater, die man mit dem Auto nicht erreichen kann. Egal auf welche Art – der Nationalpark ist einen Besuch wert!  

Vulkan San Antonio – Gänsemarsch auf dem Krater

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Nach einer großen Runde um die Insel wieder im Süden angelangt , quasi um den Kreis zu schließen, besuchten wir denVulkan San Antonio. Hier lockt am Eingang ein Besucherzentrum mit Fotografien und Filmen wissenshungrige Touristen an. Es wird erklärt, dass der 3000 Jahre alte San Antonio bei seinem Ausbruch am Jahreswechsel von 1677/1678 die heilige heiße Quelle des Ortes (daher der Name “Fuencaliente”) unter sich begrub. Mental vorbereitet kann man anschließend auf dem Krater des ehemals Feuer speienden Berges entlanglaufen. Gut, genauer gesagt, nur auf einer Seite des Kraters, die andere ist gesperrt. Witzigerweise tritt hier wieder ein optischer Effekt auf, denn ich schon öfter bei ähnlichen Landschaften beobachtet habe: fotografierst du sie, wirken sie bei weitem nicht so spektakulär, wie in echt vor Ort gesehen. Der Krater wirkte gigantisch, wir eierten förmlich am Rand entlang, um dem Abgrund nicht zu nahe zu kommen. Auf dem Foto wirkt alles wie ein kleiner Hügel. Ich empfehle dir daher die HD-Qualität der Realität.

Fazit

Die Fähre legt ab, Santa Cruz de La Palma mit den großen Berghängen im Hintergrund wird immer kleiner, das strahlende Grün verblasst immer mehr und fließt langsam in tiefes Blau über. Resümierend saß ich da; Frostbeule wie ich bin in Jacke und Tücher gehüllt und stellte fest: Das Gerücht ist wahr. Alle Einheimischen haben Recht. Die vielen Auswanderer haben Recht. Wenn wir über Natur, Ihre Unberührtheit, ihre rauen und sanften Facetten und ihr Farbenspiel sprechen, so ist La Palma einfach die schönste der Kanarischen Inseln. Vielleicht würde ich der jüngeren Generation nicht unbedingt dazu raten, hierher auszuwandern. Gerade die ländlichen Gegenden sind wirklich sehr ruhig und eher geeignet für Ruhesuchende als für Partypeople. Aber für eine entspannende Auszeit in den grünen Armen von Mutter Natur ist La Palma ein erstklassiges Ziel und immer einen Abstecher wert!