Ein Sonntagmorgen. Die Sonne scheint…nicht. Graue Wolkenberge rollen über die Berge hinab in den sonst so freundlichen Süden der Insel. Eigentlich einer dieser Tage, an denen man im Bett liegen bleibt. Eigentlich.

Denn schon früh morgens befanden sich vier junge Leute “voller Elan” in luftigen Höhen. Tage vorher hatten wir uns zum Wandern verabredet und auch wenn alle lieber weitergeschlafen hätten, wollte doch keiner sein Gesicht verlieren. So wurden im kleinen Örtchen Vento bei Arona die Pausenbrote eingepackt und die Rucksäcke geschnürt. Ich musste nach den ersten 500m direkt wieder zum Auto zurücklaufen, weil ich vor lauter Morgenmüdigkeit glatt vergessen hatte, die Wanderschuhe anzuziehen.

Unser Ziel war an diesem Tag der Roque del Conde. Der imposante Fels, der über Arona und Adeje thront und dessen Gipfel wirkt, als hätte ihn jemand mit einem Buttermesser gerade geschnitten. Es ist der größte Felsen der Kanarischen Inseln und erreicht eine Höhe von etwas mehr als 1000m über dem Meeresspiegel.

Die Magie der Ruinen, Teneriffa

Die Magie der Ruinen

Vorm Einstieg des Wanderweges kamen Zweifel auf. Man sah, wie sich der Weg stetig steil zu dem Felsen hinaufwand. Kleine bunte Farbflecke, noch motiviertere Wanderer als wir, schleppten sich vor dem Panorama der grauen Wolken hinauf. Es half alles nichts, wir waren schlichtweg zu faul.Das schlechte Wetter und die eingeschränkte Aussicht waren immerhin eine prima Ausrede.

Statt geradeaus liefen wir also nach rechts, einen Weg entlang, der sich allmählich steigend über das Hochplateau in Richtung Ifonche wand. Angesichts des kaum vorhandenen Schwierigkeitsgrades besserte sich die Stimmung aller direkt. Vor allem, als wir auf die ersten Häuserruinen stießen. Wer verlassene Orte und lebende Geschichte liebt, der kommt auf Teneriffa auf seine Kosten. Allein auf diesem Wanderweg gab es zahlreiche verfallene Gebäude, alte Weidemauern und Höhlen aus Ureinwohnerzeiten zu entdecken.

Die schönste Belohnung nach langen Wegen - die Aussicht, Teneriffa

Die schönste Belohnung nach langen Wegen – die Aussicht

Kurz daraf kreuzte die Route das kleine, aber dennoch imposante Barranco del Rey. Dieses wird gern von Schluchtenkletterern durchforstet (auch unter Barranquismo bzw. Canyoning bekannt). Wir wählten dagegen ganz Morgenmuffel-Manier den 0815-Weg nach oben. Zuviel Spannung zum Sonntag tut schließlich nicht gut.

Weiter gings über breite Flur mit Aussicht auf die Rückseite des Roque del Conde und frühere Terrassenfelder auf den umliegenden Hügeln. Alte Fundamente ließen erahnen, das dieses Gebiet vor vieler Zeit besiedelt und kultiviert war. Die grauen Wolken hingegen zeigten uns, dass es schon ziemlich bald regnen würde. Aber egal, denn hat man einmal auf den Sonntagsschlaf verzichtet, dann wird durchgezogen. Bis es nieselt. Dann wird gejammert.

Glücklicherweise setzte der Regen erst am Ziel unserer Wanderung ein, dem Camino de Suarez – Degollada de los Frailitos. Von diesem Punkt aus hat man einen herrlichen Blick über Las Américas und Adeje. Also, normalerweise. In unserem Fall wurde der Horizont ziemlich schnell von den tief ziehenden Wolkentürmen verdeckt. Fixes Fotoshooting, das Halstuch als Regenschutz über den Kopf geknotet (Verwechslungen mit Berghexen sind rein zufällig) und zurück ging es mit Wasser in den Schuhen.

Blick über Las Américas und Adeje

Blick über Las Américas und Adeje

Jedem, der irgendwo im Umkreis von Arona wandert, rate ich, danach eine Rast in der Bäckerei “Aroma” in der historischen Altstadt zu machen. Meiner Meinung nach gibt es dort mit Abstand die besten Torten und Backwaren – und ich musste mich in harter Arbeit durch viele Konditoreien kämpfen um das beurteilen zu können. So genossen wir an einem Sonntagmittag, an dem bisher einzigen Regentag seit vielen Wochen, auf der warmen Frühlingsinsel Teneriffa heiße Schokolade mit Zitronenkeksen.

 

Danach wurde erst einmal ausgeschlafen! :-)