Fährt man in die berühmte Masca-Schlucht oder überquert im Westen die Süd-und Nordhälfte der Insel, so durchkreuzt man dabei den Ort Santiago del Teide. Durch das Städtchen ist man auf der belebten Hauptstraße schnell gefahren. Doch die wenigsten wissen, dass das verträumte Bergdörfchen selbst ebenfalls einen Besuch wert ist. Was es dort zwischen Orangenbäumen und Bergpanorama zu entdecken gibt, erfährst du hier. 

Wenn man an der Hauptstraße des Ortes entlang spaziert und zu beiden Seiten die vielen Häuser im historischen kanarischen Stil entdeckt, ahnt man es schon – Santiago del Teide blickt auf eine lange Geschichte zurück. Es begann alles mit 12 Einwohnern des Valle Santiago im Jahr 1552 und entwickelte sich über die Gründung einer neuen Kirchengemeinde im Jahr 1679 bishin zur offiziellen Benennung des größer gewordenen Ortes in Santiago del Teide im Jahr 1916. Eines der wichtigsten Ereignisse der Vergangenheit war der Ausbruch des nahegelegenen Vulkans Chinyero im Jahr 1909. Dies war die letzte verzeichnete vulkanische Eruption auf Teneriffa und das Bergdörfchen entging dabei den heißen Lavaströmen nur knapp. Heute zählt die Gemeinde von Santiago del Teide etwa 10.500 Einwohner auf einer Fläche von rund 52 km² und ist unter anderem auch dafür bekannt, dass fast die Hälfte seiner Bewohner aus dem Ausland stammt.  

Santiago del Teide - Hauptstraße

Kein Wunder also, dass der Ort jeden seiner Besucher mit seinem offenen, gemütlichen, ländlichen und kulturellen Charme besticht. Angenehm ist auch, dass man alle wichtigen Sehenswürdigkeiten bequem in wenigen Minuten erlaufen kann. Kommt man aus südlicher Richtung, so erwartet einen direkt am Eingang des Städtchens rechter Hand ein Besucherzentrum. Hier wird anhand eines Modells sehr anschaulich gezeigt, wie viele Vulkane sich in der unmittelbaren Nähe befinden und welche Naturgewalt bei all den Eruptionen wirkte. Gemütlicher geht es in der Kunstausstellung nebenan zu, die heimische Virtuosen und ihre beeindruckenden Werke präsentiert.

Vorbei an der schwarzen Figur eines Pferdes auf einem Skateboard mit Kutschengespann – das fällt jedem auf – spazierst du an kleinen Organgenbäumen vorbei und entdeckst zu deiner Linken den Camino de la “Fuente de la Guancha”. Dieser Weg führt einen grünen Berg hinauf zu einem heiligen Brunnen, neben dem im Jahr 1990 eine Figur der Muttergottes von Lourdes errichtet wurde. Kleine weiße Kreuze weisen dabei die Richtung und sorgen ganz nebenbei für einen außergewöhnlichen Anblick.

Santiago del Teide - Camino de la Fuente de la Guancha

Weiter geht es die Hauptstraße entlang in Richtung Norden. Am Wochenende passierst du dabei dutzende Motorradfahrer, die in ihrer Pause vom Kurvenschneiden und schwitzend in ihren dicken Kluften, ganz harmlos in den kleinen Bars und Cafés am Straßenrand sitzen und einen Kaffee genießen. Der ein oder andere ältere Bewohner wird dich vielleicht neugierig beobachten – außer dem Durchfahrtsverkehr passiert in dieser Idylle nicht viel und jedes neue Gesicht ist willkommen. Rechterhand erwarten dich kleine Kunstwerke an einem alten kanarischen Haus. Besonders charakteristisch sind dabei die Türen und Fensterläden sowie der “Dachgarten”.    

Santiago del Teide - Historisches kanarisches Haus

Das Herz des Ortes:

Das Zentrum von Santiago del Teide kann man gar nicht verfehlen, denn der Hauptplatz sticht einem quasi direkt ins Auge. Die Pfarrkirche San Fernando Rey, welche anfangs des 18. Jahrhunderts fertig gestellt wurde und in der damaligen Zeit die erste Pfarre im Südwesten Teneriffas war, erstrahlt dort in sauberstem Weiß. Gleich daneben findest du die Touristeninformation, vor der meistens alte Männer unter reifen Orangen über das Leben philosophieren (das wurde von mir auch originalgetreu per Foto festgehalten). Am rechten Kopfende thront das Rathaus von Santiago del Teide, welches in der Mitte des 20. Jahrhunderts erbaut und später um einen großen Innenhof im kanarischen Stil erweitert wurde.   

Santiago del Teide - Pfarrkirche Fernando San Rey

Verlässt du den Platz in Richtung der Hauptstraße, so wird dir augenblicklich links eine Allee riesiger Bäume auffallen, unter ihnen viele der stattlichen kanarischen Pinien. Vor allem sonntags siedeln sich an diesem schönen Flecken Natur die sogenannten “Domingueros” an. Domingueros sind vornehmlich Familien, die am schönsten Wochenendtag den gesamten Haushalt inklusive Verwandtschaft aller Grade ins Auto stopfen und zum nächsten Grill- und Picknickplatz pilgern. Auf den fest installierten Grillöfen aus Stein wird dann fleißig Fleisch in Massenproduktion zubereitet, während die lieben Kleinen sich vergnügen und die Eltern an den Picknicktischen aus Holz wahre Festmenüs vorbereiten (bunte Tischdecken inklusive). Sollte man etwas daheim im Kühlschrank  vergessen haben, so hilft das kleine Café nebenan, was von massiven Baumstämmen komplett umrankt ist, gern weiter. Von diesen sogenannten “Areas recreativas” gibt es auf Teneriffa einige, die von Santiago del Teide gehört zu meinen persönlichen Favoriten.

Santiago del Teide - Area recreativa

Direkt gegenüber liegt das große Anwesen des Rural-Hotels “La Casona del Patio”, wo Pferde vor dem Hintergrund der ursprünglichen Gebäude und grüner Bergidylle auf dem saftigen Grün grasen. Sehr zu empfehlen ist das dazugehörige Café und Restaurant “La Casa Vieja”, welches auf eine rund 400jährige Geschichte zurückblickt. Die netten Bedienungen lassen einen auch ohne vorherige Bestellung einen Blick auf die noch originale Küche im Inneren des Hauses und die dazugehörige Weinstube (im kanarischen “Bodega” genannt) werfen. Solltest du die urigen Gästeräume betreten, so halte neben dem Eingang zur antiken Küche Ausschau nach einem großen Bilderrahmen mit dem Familienstammbaum der ehemaligen adeligen Besitzer – ich empfand es als sehr beeindruckend, den Werdegang einer Familie über so viele Jahre zurückverfolgen zu können.

Santiago del Teide - La Casa Vieja

Natürlich kann man neben all dem Sightseeing, Kaffeetrinken und Grillen in Santiago del Teide noch mehr Dinge unternehmen. An oberster Stelle steht dabei natürlich das Wandern. Das liegt zum einen daran, dass die Natur in dieser Gegend atemberaubend schön ist. Wer Bergmassive, weite Aussichten und vielfältiges Grün mag, wird die Umgebung lieben. Zum anderen ist das Wetter in Santiago del Teide trotz der Höhe von über 900m über dem Meeresspiegel recht mild. Das Teno-Gebirge schützt das Tal vor zu starken Wettereinflüssen und die vielen täglichen Sonnenstunden sorgen für hohe Temperaturen. Lediglich in den Wintermonaten kann es durchaus auch mal kälter werden und nass von oben kommen.

Beliebte Wanderrouten, die in Santiago del Teide beginnen, sind:

  • Der “Camino Real”, der sich südlich die Küste entlang erstreckt und Santiago del Teide mit Puerto Santiago verbindet. Auf dem Weg, der früher zur Nahrungs- und Wasserversorgung genutzt wurde, kannst du alte Ackerflächen, den Wasserlauf einer Quelle und Felsformationen des Teno-Gebirges erkunden.
  • Der Rundweg “Ruta del Almendro en Flor” ist eine der bekanntesten Attraktionen von Santiago del Teide. Das gesamte Jahr über ist diese Strecke unter Wanderern sehr populär, am meisten allerdings im Monat Februar. Denn dann kann man hier entlang des Weges hunderte Mandelbäume in volle Blühe betrachten. Dieses Feuerwerk an Farben und dem betörenden Duft der Blüten zieht dann Tausende Besucher an, die sich dieser Pracht erfreuen. Weitere sehenswerte Stationen auf dem Weg sind die erkalteten Lavafelder des erloschenen Vulkans Chinyero und das Dorf Arguayo.
  • Die Wanderwege rund um den Chinyero. Hier gibt es zwei verschiedene Möglichkeiten, aus denen du wählen kannst: die Strecke zwischen dem Chinyero und dem Küstenort Garachico und dem Rundweg um den Chinyero. Man kann auch beide Wege kombinieren oder nur Teilstücke von ihnen erwandern. Schön ist es in jedem Fall.

Santiago del Teide - Wandern

Bist du mit dem Auto unterwegs und auf der Jagd nach schönen Panoramen für dein Urlaubsalbum, so ist der Ort für dich der perfekte Ausgangspunkt, um weiter zur Mascaschlucht oder nach Puerto de Erjos zu fahren, wo du die Charcos de Erjos findest. Für Liebhaber der Fortbewegung auf zwei Rädern, seien es Motorräder oder Fahrräder, sind die gepflegten und kurvigen Straßen rund um das Städtchen ideal für einen Ausflug.  

Du siehst also: Santiago del Teide bietet viel zu viel, als das du hier einfach nur durchfahren solltest und als einzigen Eindruck das Ortsschild mitnimmst. Halte an, steige ab bzw. aus und lass dich von diesem Bergdörfchen mit seiner Geschichte, seiner Schönheit und seinem Ambiente verzaubern!

Oder warst du gar schon einmal in Santiago del Teide? Erzähl mir gern, was dir am besten dort gefallen hat :).

Anfahrt: 

Vom Süden aus erreichst du Santiago del Teide über das neue Teilstück der Südautobahn TF-1, welches nach Guía de Isora in den Norden führt. Folge dieser etwa 20 Minuten, bis du direkt nach dem langen Tunnel „El Bicho“ an einen großen Kreisverkehr gelangst, von dem aus du dank der einfachen Ausschilderung in wenigen Minuten den Ort findest.  Vom Norden der Insel aus erfolgt die Anfahrt über die Schnellstraße TF-5, welche bei El Tanque in die etwas kurvenreiche Höhenstraße TF-82 übergeht. Folge dieser ca. 20-30 Minuten (je nach Verkehrslage) in Richtung Santiago del Teide.

Santiago del Teide - Anfahrt

Survival Index4

Fazit:

Der erste Eindruck täuscht, denn Santiago del Teide ist alles andere als nur ein langweiliges Bergdörfchen.