Es wird Zeit, einmal den Irrglauben vieler Nordeuropäer zu thematisieren, dass es auf Teneriffa niemals richtig kalt wird. Denn ja, das wird es! Und es gibt hier sogar Schnee – auf dem Teide!

Der Teide im Schneekleid, Teneriffa

Der Teide im Schneekleid

Der Teide ist mit 3718m der höchste Berg Spaniens und weltweit der dritthöchste Inselvulkan. Er thront im Zentrum der Insel und ist daher von vielen Küstengebieten aus bestens zu sehen. In den Wintermonaten, wenn die Niederschläge im Norden der Insel zunehmen und die Temperaturen um einige Grad sinken, hüllt er sich für einige Tage – im letzten Jahr sogar einige Wochen – in ein weißes Schneekleid.

Das sind die Zeiten, in denen man friert. Erstens, weil man sich als Inselbewohner schlicht an die wärmeren Temperaturen im Frühjahr, Sommer und Herbst gewöhnt. Zweitens, weil hier schlecht gebaut wird. Slowakische Freunde von mir sanieren gerade eine kürzlich gekaufte Wohnung von Grund auf und sind täglich dem Nervenzusammenbruch nahe, weil es hier schlichtweg nicht die Baumaterialien gibt, die man in nördlicheren Gefilden gewohnt ist. Das Motto lautet auf den Kanaren: einfacher, schneller und billiger. Der Begriff “Wärmedämmung” ist ein Fremdwort.

Kilometerlanger Stau in den Nationalpark Teide, Teneriffa

Kilometerlanger Stau in den Nationalpark Teide

Das Resultat ist, dass Wohnungen auf Teneriffa in den Wintermonaten stark auskühlen. Wenn dann nachts die Temperaturen auf bis zu 10°C sinken und man weder Zentralheizung, noch eine ordentlich gedämmte Wohnung hat, dann wird es hier gefühlt durchaus kälter als in Deutschland. Da Heizlüfter und co. viel Energie fressen und der Canario ein kleiner pfiffiger Sparfuchs ist, wird aber ein Trick angewendet: das Anzünden unzähliger Kerzen. Das heizt die Bude auf, macht eine heimische Atmosphäre und nebenbei wird Strom und Geld gespart.

Nun aber zurück zum “Papá Teide” (so wird er von den Canarios gern genannt). Wenn er sein weißes Kleid trägt, ist die Insel um eine Attraktion reicher und diese lockt nicht nur die Touristen an. Denn wenn Schnee auf dem Teide liegt, herrscht vor allem bei den Einheimischen Ausnahmezustand! Warum? Nun, zum Einen gibt es hier viele Menschen aus Zentral- und Südamerika oder anderen heißeren Gebieten, die Schnee nicht kennen und zum ersten Mal anfassen können. Zum Anderen sind wir doch alle nur kleine Kinder mit Spieltrieb.

Darauf wartet man gern, Teide bei Schnee, Teneriffa

Darauf wartet man gern

Im letzten Jahr, nachdem ein Unwetter für genügend Schnee auf dem erloschenen Vulkan gesorgt hatte, wagte auch ich mit einigen Freunden die Fahrt zum Teide. Neben uns taten das gefühlt 60% der restlichen Inselbevölkerung, weshalb alle Zufahrtsstraßen zum Nationalpark mit kilometerlangem Stau blockiert waren. Für eine Strecke, die normalerweise 2 Stunden dauert, brauchten wir 7 Stunden. Der Grund dafür war offensichtlich: Sobald schon auf dem Weg zum Teide ein kleines Fleckchen Schnee auftauchte, sprangen ganze Familien – Fahrer inklusive – ohne Rücksicht auf Verluste euphorisch aus dem Auto, um Fotos zu machen (natürlich wurde sich dabei so positioniert, das der grüne Hintergrund nicht zu sehen war).

Für Spaß beim Warten im Auto sorgte eine Tradition der Canarios: Einmal im Nationalpark angekommen, baut man sich einen Schneemann auf der Motorhaube des Autos und nimmt ihn bei der Rückfahrt mit hinunter. Umso länger der kleine Mann überlebt, umso mehr Glück bringt es. Der Kreativität waren keine Grenzen gesetzt und die Freude stieg mit jedem Auto, was einem entgegenkam.

Tradition der Schneemänner auf den Motorhauben...mit Verzierungen ;-), Teide bei Schnee, Teneriffa

Tradition der Schneemänner auf den Motorhauben…mit Verzierungen ;-)

Als wir endlich die Schneefelder erreichten, gab es allerhand Kurioses zu sehen. Plastiktüten wurden auf steinigen, leicht bedeckten Hängen zum Schlitten umfunktioniert, andere hatten zum Rutschen sogar ihre Body- und Surfbards mitgebracht. Wiederum andere hatten den kompletten Hausstand dabei und feierten fröhliche Grillparties in kurzen Hosen. Eines hatten aber alle gemeinsam: die überschwängliche Freude von kleinen Kindern beim Spielen im Schnee.

Auch wir bauten einen Frosty und nahmen ihn mit. Er hielt ganze 45 Minuten durch, bis er sich im Orotava-Tal im Norden von uns verabschiedete. Zurück ging es von da in den Süden, wo sich kälteresistente Touristen in Badehose und Bikini bei 20°C an den Hotelpools von der Wintersonne verwöhnen ließen.

Genau das beschreibt auch einen der unglaublichen Vorteile von Teneriffa: Wo sonst kann man am selben Tag im Schnee spielen und sich danach am Strand in der Sonne bräunen?

Und wenn es auch am Strand zu kalt ist, zündet man einfach ein paar Kerzen an. :-)

Der kleine Frosty vor seiner großen Fahrt, Teide bei Schnee, Teneriffa

Der kleine Frosty vor seiner großen Fahrt