Der Eingang zum Zirkuszelt von The Hole

Der Eingang zum Zirkuszelt von The Hole

Wenn man mich fragt, was mir denn im Leben auf der Insel fehlt, so kommt bei mir kurz nach Yogurette und tempolimitfreien Autobahnen immer der Gedanke: Kultur! Man verstehe mich nicht falsch, in Deutschland bin ich natürlich nicht jede Woche auf einer kulturellen Veranstaltung gewesen – man muss sich ja stereotypisch altersgerecht verhalten ;-). Aber dennoch so oft es ging.

Auf Teneriffa gibt es natürlich und ganz ohne Frage viele kulturelle Veranstaltungen. Diese finden aber zumeist eher im Norden der Insel statt und legen den Fokus in der Regel auf das regionale. Das ist natürlich okay, dennoch fehlt dabei etwas der städtische Hauch von großen Shows und Bühnenwerken, die sich hier meist auf ein Highlight im Jahr beschränken. So vor drei Jahren beispielsweise das Gastspiel des Cirque du Soleil in La Laguna und vor zwei Jahren die Tour des Musicals Les Miserables aus Madrid.

Es war also Zeit für ein neues Event. Für etwas Glamour auf der Insel. Etwas Illusion von Urbanität und kreativer Kunst. Dinge die im leicht monotonen Alltag Teneriffas manchmal einfach fehlen. Keine andere Show hätte all dies besser verkörpern können, als The Hole. Die noch relativ neue und gekonnt inszenierte Mischung aus Burlesque, Musik, Kabarett und Zirkus entführte mittlerweile über eine halbe Million Zuschauer in eine bunte Welt und der Erfolg reißt nicht ab. So wurde auch in Santa Cruz die Spielzeit aufgrund der hohen Nachfrage verlängert!

Deko und DJ-Pult in einem

Deko und DJ-Pult in einem

Vorbei an überdimensionalen Lippen gelangte man in ein wunderschönes Zirkuszelt, unterteilt in Tribüne und Tischplätzen vor der Bühne – es war offensichtlich, welche Besucher während der Vorstellung am meisten leiden würden. Mein Freund und ich saßen etwas weiter dahinter im vorderen Mittelteil und wähnten uns dort sicher. Denn der spannendste und zugleich lustigste Aspekt der Show ist, dass die Darsteller das Publikum permanent einbeziehen. Männliche Besucher wurden innig von einer Dragqueen geküsst oder hatten sie direkt auf dem Schoß sitzen. Weibliche Zuschauer mussten sich hingegen vor dem “Pony loco”, dem verrückten Pony in Acht nehmen. Ein recht gutaussehender, durchtrainierter Tänzer, der zwei Stunden lang hauptsächlich komplett nackt auftrat. Ja, nackt. Auch bei seiner Trapezvorstellung.

Sinnliche Atmosphäre rund um die Bühne

Sinnliche Atmosphäre rund um die Bühne

Mitten in einem Akrobatikstück wurde allerdings plötzlich ein weißer Hocker in den Gang neben unsere Sitzreihe gestellt. Ich ahnte schlimmes. Da war sie auch schon. Die Grand Dame der Show setzte sich, Scheinwerfer auf uns und sie begann von dort ihren witzigen Monolog zu halten. Es dauerte keine zwei Minuten, bis sie meinen Freund auf dem Kieker hatte, der wiederum bei ihrem schnellen Spanisch noch nicht ganz so mitkam. “Ah, du verstehst mich also nicht, woher kommst du denn?” “Aus Deutschland.” “Oh nein, auch noch Deutscher.” Unnötig zu erwähnen, dass die nächsten Witze auf unser Konto gingen. Wir haben Tränen gelacht. Von allen Leuten auf den Rängen hatte es natürlich genau uns erwischt.

Weiter ging es mit einer etwas untersetzten Marylin Monroe am Trapez, einem heißen Burlesque-Tanz mit Schwarzlichteffekten, Seilakrobatik, Striptease, einem recht provokativen Gemüsetanz im Publikum und Philosophien über die Liebe und Sexualität.

Insgesamt waren es zwei Stunden voller frischem Witz, akrobatischen Höchstleistungen, guter Musik, schönen Menschen und Schadenfreude. Solltest du irgendwo innerhalb Spaniens der Show The Hole begegnen (Teil 2 gibt es auch schon), zögere nicht, sie dir anzusehen! Sei aber auf der Hut. Du hast das Pony loco schneller an dir hängen, als dir lieb sein wird. 😉