Zugegeben, Palm Mar ist an einem windigen Tag nicht der beste Ort für einen Spaziergang. Zumindest nicht ohne Ziegelstein in der Tasche, um das eigene Abheben zu verhindern. Aber die Kombination aus kaltem Wind und früher Morgenstunde bietet nunmal die beste Voraussetzung für einen entspannten, ungestörten Spaziergang zum Leuchtturm Faro de Rasca.

Turm an der Strandpromenade von Palm Mar auf Teneriffa

Turm an der Strandpromenade von Palm Mar

Ergo hieß es Windjacke, Fliespulli und Wanderschuhe an, die Mütze auf und ab nach Palm Mar. Dort befindet sich direkt am kleinen Turm an der Strandpromenade der Einstieg in den Wanderweg, den ich schon häufig beschritten habe. Neben zwei Einheimischen, die bei den angrenzenden Wohnblöcken in kurzen Klamotten mit ihren Hunden Gassi gingen, fühlte ich mich allerdings leicht deplatziert. Ihre Blicke sagten alles. “Mütze, Wanderschuhe, Kamera und das alles um die Uhrzeit – kann nur wieder so eine verrückte Deutsche sein!”.

Weg zum Faro de Rasca von Palm Mar auf Teneriffa

Weg zum Faro de Rasca von Palm Mar

Touché! Aber hey, auch ich falle manchmal in die alte deutsche Gewohnheit des “Überausrüstens” zurück. Und ich friere nunmal schnell. Bei den “kühlen” Wintertemperaturen auf der Insel neigt man nach monatelanger Hitze schließlich leichter zum Meckern auf hohem Niveau.

Weiter ging es also für das bunte Michelinmännchen entlang der felsigen Küste Richtung des Naturschutzgebietes Malpaís de Rasca. Der Weg gehört zu den angenehmeren Wanderwegen im Süden Teneriffas, da er keine größeren Schwierigkeiten außer fiesen Stolpersteinen auf gerader Flur birgt. Laut offiziellen Quellen legt man zwar einen Höhenunterschied von 400m zurück, davon merkt man aber nicht wirklich etwas. Die Landschaft ist allerdings faszinierend, weil von einer groben Schönheit, die man erst auf den zweiten Blick wirklich zu schätzen weiß.

Glasklarer Naturpool auf dem Weg zum Faro de Rasca auf Teneriffa

Glasklarer Naturpool

In den heißen Sommermonaten ist die raue Küste mit ihren vielen kleinen Naturpools ein beliebtes Ausflugsziel. Freundesgruppen und Familien schleppen ihren kompletten Hausrat (von Liegestuhl bis Kücheneinrichtung alles dabei) viele hundert Meter über die für Autos unzugängliche Strecke, um sich dann den ganzen Tag nicht mehr vom eroberten Fleck fort zu bewegen. Ansonsten trifft man auf dem Weg für gewöhnlich auf Angler, Anwohner mit ihren Hunden und vereinzelte Wanderer, ganz selten sogar Wildcamper. Während meines letzten Ausfluges sah ich nach dem ersten Wegstück niemanden. Abgesehen von einem Fischerboot, dass in langsamen Tempo in derselben Richtung unterwegs war. Ich fühlte mich irgendwie beobachtet und stellte fest, ich müsste weniger Krimis schauen.

Faro de Rasca auf Teneriffa

Da leuchtet er von Weitem

Der weiß-rote Leuchtturm strahlt einem schon früh nach dem Loslaufen entgegen. Im Laufe des Weges scheint es aber zeitweise, als wäre es wie bei dem Esel, dessen Reiter ihm an einer Angelschnur eine Karotte vor die Nase hält. Man läuft gegen den Wind, bleibt stehen, zieht die Mütze nach oben, schaut nach vorn, der Leuchtturm ist noch weit weg. Man läuft immer weiter gegen den Wind, bleibt stehen, zieht die Mütze nach oben, schaut nach vorn … und er ist immer noch weit weg! Glücklicherweise gab es unterwegs genug zu entdecken. Man muss nur etwas abseits des Weges schauen und schon findet man wunderschöne Höhlen, bunte Krabben, ehemalige Nachtlager und Häuserruinen.

Kurz vor Ankunft am Leuchtturm, nach etwa einer Stunde, kam ich an einer Hinweistafel des Ministeriums für Umweltschutz vorbei. Man klärte darüber auf, dass Wildcampen verboten sei und man pro belegtem Quadratmeter eine Geldbuße von 30,05€ zu entrichten hätte. Darunter steht in gleich großer Schrift, dass das Entfernen oder das Beschädigen des Schildes ebenfalls eine Strafe nach sich zieht. Ich fragte mich in diesem Moment, ob die Beamten bei einer Kontrolle erst einmal mit Zollstöcken Zelte vermessen oder ob das Schild mitten in der Pampa wohl videoüberwacht wird und lief grinsend weiter. Es lebe die Bürokratie!

Der Faro de Rasca auf Teneriffa

Der Faro de Rasca in seiner Pracht

Da war er also, der Faro de Rasca. Imposant wie eh und je trotzte er der Witterung und zeigte nahenden Schiffen nach dem Motto “Hier fährst du lieber nicht lang” ihre Route. Ich war dagegen weniger wetterfest und das Fischerboot, dass mich die ganze Zeit begleitete, hatte die Verfolgung aufgegeben. Eine nette Finnin wies mir einen anderen Weg zurück nach Palm Mar. Sie glaubte mir bei meinem Anblick nicht so ganz, dass ich auf der Insel seit mehr als 3 Jahren wohne. Ich nahm es ihr nicht übel. An der Wegkreuzung vorm Leuchtturm herrschte reger Betrieb und alle schienen auf die immer stärker scheinende Sonne besser eingestellt als ich. Sie berichtete, dass sie die Winter gern auf Teneriffa verbringt, um der strengen Kälte in Finnland zu entkommen. Beim Gedanken an die Dunkelheit und Minusgrade entschied ich mich dann noch, zumindest den Fliespulli abzulegen.

Bezaubernde Natur auf dem Rückweg vom Faro de Rasca nach Palm Mar auf Teneriffa

Bezaubernde Natur auf dem Rückweg

Der Rückweg landeinwärts verläuft dann eigentlich recht unspektakulär. Ein allseits bekanntes Internetlexikon meint, dass diese Gegend vermutlich die trockenste der Kanarischen Inseln ist. Ich weiß nicht, ob man die Wüstengebiete von Fuerteventura damit vergleichen kann, aber für Teneriffa könnte das definitiv passen. Sukkulenten und Wolfsmilchgewächse bilden mit Kakteen die Vegetation, der Rest sind Vulkangestein, Berge und Staub. Viel Staub. Der sich ganz herrlich in den Klamotten festsetzt. Meine Waschmaschine hat sich gefreut an dem Tag. Mein Entdeckergeist auch. Weiß ich doch jetzt, dass man beim Wildcampen auf Kontrolleure mit Zollstöcken treffen könnte – auf Teneriffa lernt man nie aus!