Wenn man in Spanien lebt, lernt man eines schnell: die Spanier lieben das Feiern. Und Anlässe gibt es dank vieler religiöser und kultureller Feste genug.

Statue des Heiligen San Sebastián, La Caleta, Teneriffa

Statue des Heiligen San Sebastián

Heute, stand ein wichtiges Ereignis im Süden Teneriffas auf dem Plan – San Sebastián de La Caleta. In Adeje offizieller Feiertag, wird am 20. Januar jedes Jahr der Heilige San Sebastián geehrt, welcher unter anderem Schutzpatron für Reiter und Bauern ist. Passend dazu werden zahlreiche Pferde und Ziegen aus der umliegenden Gegend zum Strand Playa de la Enramada getrieben, um im Meer zu baden. In anderen Worten bedeutet das folgendes: Es gibt kanarische Folklore, Tiere, gutes Essen, Musik und viele Touristen mit unzähligen Kameras. Nichts wie hin!

Die Kirche von La Caleta, Teneriffa

Die Kirche von La Caleta

Die kleine Kapelle in La Caleta war die erste, die im Süden der Insel gebaut wurde. Dies geht auf eine Erzählung zurück, nach der die Heilige Jungfrau – die Virgen de Encarnación – an dieser Stelle gesichtet wurde. Ihre Figur und auch das geschnitzte Abbild des San Sebastián befinden sich in den heiligen Gemäuern und locken jedes Jahr am 20. Januar hunderte Gläubige zur Prozession. Es wird gemeinsam gebetet, Versprechen werden eingelöst oder ausgesprochen, es wird um Heilung gebeten und es werden Tiere in einem Ritual im Meer gewaschen.

Dieser eigentlich religiöse Akt, der bereits seit langer Zeit auf der Insel zelebriert wird, mausert sich von Jahr zu Jahr immer mehr zur Touristenattraktion. Zu Hunderten strömen sie aus den umliegenden 5*-Hochburgen, bis an die Zähne bewaffnet mit Kameras, Tablets, Handys und absolut bereit, sogar kleine Kinder zur Seite zu schubsen, wenn es für das beste Urlaubsbild von einem Pferd notwendig ist.

Pferde in La Caleta San Sebastián Teneriffa

Die Pferde vor ihrer Taufe

Während also in der Kapelle ab 12 Uhr die spanische Andacht gehalten und per Lautsprecher auf den Platz übertragen wird, kann man als Besucher das eigentliche Spektakel draußen erleben. Alles drängt sich um die geschmückten Pferde, die sauber geordnet auf dem Vorplatz aufgereiht werden. Daneben die Besitzer, stolz wie Bolle und meist selbst genauso schön herausgeputzt, manche sogar in den typischen Trachten. Umspielt wird alles von einem Kirmes-Flair durch zahlreiche Getränke- und Süßigkeitenbuden. Selbstverständlich. Müssen die Budenbesitzer auf einer Insel mit beschränkten Möglichkeiten doch neben Karneval und Dorffesten jede Gelegenheit für das Geldverdienen nutzen.

Das feierliche Baden der Tiere San Sebastián de la Caleta Teneriffa

Das feierliche Baden der Tiere

Ab 13 Uhr kommt Bewegung in das Ganze. Laute Schüsse kündigen den Beginn der Prozession an. Besucher, die schon seit Stunden in der heißen Sonne am wenige hundert Meter entfernten Playa de la Enramada ausharrten, pressen sich nervös an die Absperrungen. Das nette, aber unmissverständliche Platzhirschgehabe um den besten Fotoposten beginnt, während die Pferde über die Straße zum Strand traben. So gilt dann entlang des gesamten Strandes für die Zuspätkommer und die zu klein geratenen: Ein schöner Rücken kann auch entzücken!

Menschenmassen bei San Sebastián de la Caleta, Teneriffa

Menschenmassen am Strand

 

Dank hoher Säulen des angrenzenden Hotels, die man erklettern konnte und dank fitter Begleitung, hatte ich mein Problem guter Fotos glücklicherweise schnell gelöst. Wie heißt es für Auswanderer doch so schön? Man muss sich an seine Umgebung anpassen!

Auf dem Rückweg zur Kappelle kam uns die Prozession der Heiligenstatue des San Sebastián entgegen. Diese wird dann anschließend bis zum Meer getragen, was wir aber nicht weiter verfolgten. Denn wir pilgerten in Richtung eines anderen hehren Zieles: zum Essen! Denn solche Feiern eignen sich hervorragend, um die leckere kanarische Küche zu genießen.

Bei Carne de fiesta und den obligatorischen Papas arrugadas con Mojo gab mir meine kanarische Freundin dann eine sehr eigene Zusammenfassung für den Feiertag:

Denise, die Leute in Spanien lieben es zu feiern. Was meinst du, warum man hier vielerorts so streng katholisch ist? Weil es im Katholizismus so viele Feiertage gibt! Ein Heiliger hier, eine Tradition da, aber letztendlich läuft alles auf eines hinaus: Musik, gutes Essen und eine gute Zeit!

Kanarische Kultur in Form von Essen und Gesang bei San Sebastián de La Caleta, Teneriffa

Es lebe die Kanarische Kultur!

 

Klingt einleuchtend, nicht wahr?